Ludger Thol: Zwischen Siebenbürgen und Deutschland besteht eine kulturelle Verwandtschaft

tholTransiylvania Today: Herr Thol, die deutsch-rumäni- schen Wirtschaftsbeziehungen haben sich in den letz- ten Jahren sehr gut entwickelt. Warum kommen deut- sche Investoren weiterhin nach Rumänien?

Ludger Thol: Deutsche Investoren kommen nach Rumä- nien, weil es für sie das interessanteste Land in Osteuropa ist. Ein  großer Markt  mit  über  20 Millionen Einwohnern. Zudem ist Rumänien zentral gelegen: Wenn Sie auch in anderen osteuropäischen Ländern geschäftlich tätig sein wollen, ist Rumänien ein guter Stützpunkt dafür. Rumänien hat auch noch den Vorteil, daß – insbesondere in Sieben- bürgen – hier eine Kultur besteht, die jener in Deutschland ähnlich ist; auch sprechen viele Leute, insbesondere die Jün- geren unter Ihnen, sowohl Deutsch als auch Englisch. Somit haben deutsche Unternehmen keinerlei Schwierigkeiten, Menschen mit derartigen Fertigkeiten zu beschäftigen.

Was können die rumänischen Behörden tun, um Ihnen bei der Erfüllung Ihres Auftrages behilflich zu sein?

Es besteht Bedarf an Beratungsdienstleistungen für Firmen, die sich in Rumänien ansiedeln wollen. In einzelnen Fällen geschieht das auch recht gut, mit ensprechendem Engage- ment seitens der Behörden. Dies ist aber nur ein Aspekt. Grundsätzlich muss Rumänien sine Ansiedlungskonditi- onen, aber auch Infrastruktur, wie zum Beispiel Autobah- nen, verbessern. In Rumänien müssen zudem berufsbil- dende Schulen entwickelt werden. Sollte das gegenwärtige System nicht schnell, flächendeckend geändert werden, könnte Rumänien in Kürze ein Problem haben. Deswegen muss, ähnlich wie in Deutschland, das duale Bildungssys- tem gefördert werden; ansonsten finden die Unternehmen bald nicht mehr die qualifizierten Arbeitskräfte, die sie brau- chen. Dies ist ein schwerwiegendes Problem, es sollte aber im Bildungsministerium bekannt sein und erste Ansätze zur Korrektur seitens der Verantworlichen sind schon sichtbar.

Viele  deutsche  Unternehmen  haben  in  Industrie,  die IT-Branche und den Energiesektor investiert. Was für sons- tige Bereiche sind für deutsche Firmen interessant? Grundsätzlich sind alle Bereiche von Interesse. Es wäre sinn- los meinerseits, nur einige davon hervorzuheben, die eben sehr bekannt sind, wie zum Beispiel der IT-Bereich. Es gibt viele  andere  Branchen,  in  welchen  man  sehr  erfolgreich tätig sein kann. Da will ich die Aussichten gar nicht eingren- zen.

Der DWNT ist derzeit der größte ausländische Wirt- schaftsclub der Region Cluj. Wie sehen Sie die Rolle des DWNT in der Entwicklung deutsch-rumänischer Wirt- schaftsbeziehungen?

Tatsächlich ist der DWNT im letzen Jahr stark gewachsen. Wir haben gegenwärtig 134 Firmenmitglieder, Tendenz stei- gend. Unsere Aufgabe ist dabei, den Mitgliedern eine Net- working-Platform anzubieten, unsere Firmen im Kontakt mit den Behörden zu vertreten und sie über aktuelle Themen wie Arbeitsrecht, Steuerrecht, Gesetzesänderungen etc zu informieren.

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